12.11.2001 / von: Kanurennsport-Web

Birgit Fischer nimmt offiziell Abschied

Mannheim - Birgit Fischer zeigte etwas Wehmut, aber auch viel Dankbarkeit und
Vorfreude auf neue Herausforderungen: Deutschlands erfolgreichste Olympiasiegerin ist
im Mannheimer Schloss nun auch offiziell verabschiedet worden.

Sieben olympische Goldmedaillen und 32 Weltmeistertitel nimmt die 39-jährige Kanutin
und Mutter von zwei Kindern mit in ihr neues Domizil nach Potsdam-Mittelmark. «Es gab
so viele Highlights. Aber mit den Highlights ist es so eine Sache. Das ist, wie wenn man
viele Kinder hat und eines davon am liebsten haben soll - das geht auch nicht», sagte
Birgit Fischer.

Ihre erste Goldmedaille gewann sie bereits 1980 für die DDR in Moskau, ihre beiden letzten 2000 in Sydney.
«Aber ich weiß natürlich auch, dass über die Hälfte meiner Erfolge Teamerfolge waren», meinte sie vor 200
Gästen, die ihr Sponsor MVV Energie AG zu einem Stehempfang geladen hatte. «Deswegen möchte ich mich
heute ganz besonders bei allen Mädchen bedanken, die in den letzten 20 Jahren mit mir im Boot saßen.» Für die
hatte Birgit Fischer schon direkt nach Sydney eine große Abschiedsparty gegeben.

«Natürlich gehe ich heute mit einem weinenden Auge», sagte die Vorzeigesportlerin des WSV
Mannheim-Sandhofen. «Aber wenn man Ziele hat, ist das alles nicht so tragisch. Irgendwann muss doch auch
mal Schluss sein.» Aber Birgit Fischer wäre nicht Birgit Fischer, wenn sie diese Feststellung nicht gleich wieder
relativieren würde: «Ich habe jetzt zwar seit einem Jahr nicht mehr richtig im Kajak gesessen. Aber als ich
gehört habe, dass die deutschen Meisterschaften in der Langstrecke nach Mannheim gehen, habe ich gedacht:
Gut, bereite ich mich auf die Langstrecke vor. Da hat man wenigstens ein paar Kilometer Zeit, darüber
nachzudenken wie man paddelt.»

Eines machte sie allerdings klar. «Wenn ich noch einmal irgendwo antreten werde, dann nur für den WSV
Sandhofen.» Ihre Verbindung zu den Mannheimer Wassersportlern ist innig. Nach der Wende und ihrer
Ausmusterung beim OSC Potsdam kam sie «völlig verzweifelt nach Mannheim» und fand in dem «Chaoten» Uwe
Gundacker und in WSV- Schatzmeister Frank Offenloch zwei paddelbegeisterte Unternehmer, die spontan bei
einem Bier beschlossen, das Talent der Birgit Fischer zu «retten». Fortan arbeitete sie als Werbeberaterin,
Fensterbauerin und Fleischerin in ihrer neuen Heimat. Einen kleinen Seitenhieb nach Potsdam konnte sie sich
zum Abschied dann doch nicht verkneifen: «Da werden sich nach Sydney wohl einige in den Hintern gebissen
haben.»

Trotz aller Vielseitigkeit wird sie sich in Zukunft auf ihren Trainerjob konzentrieren. Für den Deutschen
Kanu-Verband betreut sie schon seit geraumer Zeit die 19 bis 23-jährigen Talente. Für Birgit Fischer eine
völlig neue Sichtweise der Dinge. «Der Unterschied zwischen Trainer und Athlet ist, dass man als Trainer
machtlos am Ufer steht. Manchmal möchte man ins Wasser steigen und hinterher schwimmen.» Auch politisch
wird Birgit Fischer aktiv bleiben. Seit fünf Jahren engagiert sie sich beim «Liberalen Netzwerk», einer
unabhängige Bürgerbewegung, die sich für die Stärkung liberaler Positionen in der Gesellschaft einsetzt.

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